Forum A

Forum A: Wachsen, ja – aber richtig! Städtebauliche Qualitäten in der Nachverdichtung der urbanen Stadt

Gastgeber: Prof. Dr. Uwe Altrock, Universität Kassel / Prof. Christa Reicher, TU Dortmund

Partner / Gäste: Sergei Tchoban, Architekt Berlin / Ulrich Paßlick, Stadtbaurat in Bocholt, Netzwerk Innenstadt NRW / Birgit Hammer, Landschaftsarchitektin Berlin / Dr. Jürgen Tietz, Architekturkritiker und Publizist, Berlin

In den letzten Jahren hat die Debatte über eine Innenentwicklung in Städten nicht nur deutlich an Fahrt gewonnen. Vielmehr ist im Zuge einer Renaissance der Innenstädte und eines Attraktivitätsgewinns größerer Kernstädte – insbesondere auf Kosten des ländlichen Raums und von Kleinstädten – eine intensive bauliche Nachverdichtung beobachtbar. Sie ist auf ein Zusammentreffen unterschiedlicher Ursachen zurückzuführen, zu denen u.a. der mit dem Nachhaltigkeitsparadigma der Stadtentwicklung verbundene Wunsch nach einer Eindämmung des Siedlungsflächenverbrauchs, die Verfügbarkeit von innerstädtischen Konversionsflächen, veränderte Haushaltstypen und Lebensstile sowie die Angebotsvorteile von Metropolräumen im Hinblick auf ihre arbeitsplatzbezogene, infrastrukturelle und soziokulturelle Ausstattung zu zählen sind.

Die aktuelle Preisentwicklung auf dem Wohnungsmarkt in Ballungsräumen spielt in diesem Zusammenhang eine nicht zu unterschätzende Rolle für die Ausgestaltung der baulichen Nachverdichtung. Die großstädtische Wohnungs- und Stadtentwicklungspolitik steht durch sie unter einem hohen Druck und ist zunehmend bereit, eine bauliche Inwertsetzung auch von Flächen mit Entwicklungshemmnissen in Kauf zu nehmen sowie in einzelnen Projekten hohe bauliche Dichten zu genehmigen, die vor einigen Jahren noch unvorstellbar gewesen wären. Der gewünschte Trend zur Schaffung kompakter, vitaler und nutzungsgemischter Städte stößt dabei teilweise wegen des weiterhin steigenden individuellen Wohnflächenkonsums an Grenzen – nicht alle Wohnungsneubauprojekte tragen zu einer Intensivierung der Wohnnutzung bei, sondern die Ausdifferenzierung der Nachfrage auf hochpreisigen Teilsegmenten des Wohnungsmarkts führt immer stärker dazu, dass in Innenstädten das alltägliche Wohnen tendenziell durch Hotels, Boarding Houses, selten genutzte Luxusapartments, Ferienwohnungen und andere exklusive Nutzungen abgelöst wird. Ähnliche Entwicklungen sind zwar auch in anderen Nutzungsbereichen erkennbar, doch dominiert die Bautätigkeit im Bereich von Büroflächen und Einzelhandel, lange Zeit Treiber des Immobilienmarkts in Innenstädten, nicht mehr so stark wie früher, wenngleich der Trend zu innerstädtischen Einzelhandelszentren nach wie vor ungebrochen scheint.

Während im Rahmen von derartigen Projekten seit jeher vergleichsweise hohe Dichten beispielsweise auf Kerngebietsflächen realisiert wurden, diese in vielen Städten flächenhaft nur einen kleinen Teil betraft, drängen die neueren Nachverdichtungsprojekte auch in gewöhnliche innerstädtische Wohnquartiere vor und stellen durch die immobilienwirtschaftliche Vermarktungslogik bestehende städtebauliche Qualitäten zunehmend in Frage. Vor diesem Hintergrund stellt sich immer drängender die Frage danach, wie im Zusammenhang mit den aktuellen Nachverdichtungstendenzen städtebauliche Qualität geschaffen und gesichert werden kann.

Hierbei soll untersucht werden,

• welche baulichen Typologien angesichts der derzeitigen Nachfragesituation konzipiert und realisiert werden und wie es insbesondere im Wohnungsbau gelingt, hohe Dichten vermarktbar zu machen;

• wie sich Nachverdichtungsprojekte städtebaulich in Bestände einfügen und mit ihnen in einem Spannungsfeld zwischen „Weiterbauen“, „Überprägen“ und „Infragestellen“ städtebaulich umgehen;

• welche Dichten und welche städtebaulichen Qualitätsansprüche in angespannten Immobilienmärkten von Stadtverwaltungen an Projekte herangetragen werden;

• auf welche Weise versucht wird, Qualitätssicherung in der städtebaulichen Nachverdichtung zu betreiben und welche Ansätze sich dabei bewährt haben;

• welche innovativen Ansätze einer städtebaulichen Nachverdichtung sich derzeit beobachten lassen, die hohe Dichten auf attraktive und verträgliche Weise realisieren.